WWM # 1 – 1. Stormarnweg Ultramarathon, Tag 1 am 31.08.2013 – Veranstalterbericht

Der 1. Stormarnweg Ultramarathon war zweifellos zugleich eine Art Veranstaltungsexperiment. Schließlich war es das erste „Fun & Erlebnis Marathons“-Event, das nicht auf einer Multi-Lap-Runde oder einer veranstalterseitig markierten Strecke stattfand, sondern auf einem öffentlichen Wanderweg mit all seinen möglichen und tatsächlichen Markierungsschwächen.

Für mich als Veranstalter stellte sich dabei auch die Frage, ob und wie sich die Teilnehmer darauf vorbereitet hatten und wie sie dieses Problem lösen wollten. Eine ausreichend genaue Streckenbeschreibung, die jeden Abzweig im Sachsenwald oder sonst wo hätte beschreiben können, konnte es natürlich nicht geben. Also blieb Laufen nach Wanderkarte oder nach GPS-Track, allein oder im Team.

Wer sich keine Wanderkarte kaufen wollte, konnte sich immerhin Streckenausschnitte von http://wanderkompass.de abspeichern und ausdrucken, was ich für den ersten Streckenabschnitt bis Großensee umsetzte. Ab dort hatte ich dann eine 1:25.000-Karte mit eingedrucktem Streckenverlauf.

An Tag 1 am Samstag, dem 31.08.2013, standen offiziell 50 km vom Schloss Reinbek zum Bahnhof Bargteheide auf der Agenda, wobei die tatsächliche Distanz eher 53 km betrug. Da einzelne Wanderwegsegmente „äußerst spärlich“ markiert waren, kamen quasi für alle Teilnehmer entsprechende Zusatzkilometer durch Verlaufen hinzu...

Cornelia, Michael und Xiaopeng.

Sven, Jürgen C. und Joachim vor dem Start

Der Start verzögerte sich gleich um 20 Minuten, da Tammo Seemann auf seiner Anreise von Oldenburg i. O. im Stau steckte. Dann ging es endlich los...

Michael führt vor Jürgen C. und Sven sowie Xiaopeng

Einige Teilnehmer bretterten dermaßen los, als seien sie bei einem 5-km-Lauf! Nun gut, der erste Kilometer am Südufer des Reinbeker Mühlenteichs – mit schönem Blick zum Schloss Reinbek – war ja auch völlig flach. Während sich am Ende des Feldes ein Schlusstrio mit Erika Köhn, Peter Wieneke und mir formierte, beschleunigte Tammo Seemann plötzlich und schloss tatsächlich binnen kürzester Zeit zum Führungsduo mit Jürgen Clausen und Sven Peemöller auf!

Irgendwo vor km 2 stellten wir fest, dass wir uns das erste Mal verlaufen hatten. Irgendwo am Ostende des Mühlenteichs hätten wir links abbiegen müssen. So kamen wir plötzlich beim Freibad Tonteich heraus. Na gut, so bogen wir halt links in einen kleinen Pfad ein, folgten der Bahnlinie und waren kurz darauf wieder auf dem rechten Weg, wenngleich mit den ersten paar hundert Zusatzmetern.

Der nächste Streckenabschnitt war für Peter und mich, die wir nun alleinige Schlusslichter waren, völlig unproblematisch. Die Markierungen waren gut zu finden, zumindest wenn man an Hand der Kartenausdrucke wusste, wo man sie erwarten konnte.

Wir tangierten den Ortsrand von Wohltorf, stiegen die Wohltorfer Straße hinauf bis zum Blocksberg und tauchten im Silker Weg wieder ab ins Grüne. Kurze Zeit später kreuzten wir die L314 und bogen dicht hinter Silk erneut in den Wald ein.

So langsam wurde das Navigieren anspruchsvoller. Als der Stormarnweg auf freiem Feld in einen ganz unscheinbaren Pfad einmündete, sahen wir links von uns am Waldrand nahe der Bille bzw. der Hohen Elbgeest Jürgen Reinert und seine Fahrradbegleiterin Ilona in Gegenrichtung.

Diesem Weg hatten Erika, Jürgen und Ilona sich verweigert.

Wir riefen ihnen zu, und tatsächlich wendeten sie und folgten uns. Erika, die noch vor ihnen in gleicher falscher Richtung lief, sahen wir nicht mehr. Sie fragte sich bei Wanderern durch und traf uns wenig später in Aumühle. Allerdings war sie zu diesem Zeitpunkt bereits so genervt, dass sie längst beschlossen hatte, am VP 1 in Großensee auszusteigen. Leider gelang es uns auch nicht, sie wieder umzustimmen...

Als wir Erika in Aumühle trafen, hatten Peter, Jürgen, Ilona und ich uns übrigens gerade einen Umweg über den Parkplatz am Ostende der Straße Am Mühlenteich „gegönnt“, immerhin mit alten verblassten Wegzeichen.

Während Jürgen und Ilona jetzt im Sachsenwald rasch enteilten, blieben Peter und ich rund 20 Meter hinter Erika. Nach dem nächsten verpassten Abzweig schlossen wir zu ihr auf, und zu dritt fanden wir nun fehlerfrei, wenngleich immer wieder mit einigem Suchen, die teilweise engen und zugewucherten Wege und Pfade durch den Sachsenwald.

sehr dezente Wegmarkierung im Sachsenwald

Als wir nach einigen Kilometern das Steilufer über der Bille erreicht hatten, tauchten auch Jürgen und Ilona wieder von hinten auf und überholten uns ein weiteres Mal.

Dieser Weg am Steilufer war einer der schönsten Abschnitte in diesem ersten Segment bis Großensee, auch wenn die zahlreichen Wurzeln unsere volle Aufmerksamkeit verlangten.

Wenig später unterquerten wir die Autobahn A 24, ehe wir die Bille über die „Lange Brücke“ überquerten und damit auch die Kreisgrenze zwischen Stormarn und dem Kreis Herzogtum Lauenburg.

In Witzhave, das wir nun durchquerten, beschleunigte Erika wieder sanft und stellte den nötigen Abstand zu uns her, um in Ruhe und ganz für sich ihre Reststrecke bis zu Till in Großensee laufen zu können.

Am Ortsausgang von Witzhave hatte ich noch ein nettes aha-Erlebnis: Hier hingen nämlich einige „gelbe Säcke“ an einem Zaun, was für sich schon interessant genug aussah. In einem davon war indessen klar und deutlich die Verpackung eines etablierten Antidepressivums zu erkennen...

Wir passierten Gut Heinrichshof zu unserer Rechten, durchquerten Rausdorf und kamen dabei in der Hauptstraße auch an der Einfahrt zu Rüdiger Nehbergs Grundstück vorbei, ehe wir über den Heideweg nach rechts bergauf abbogen.

Einige hundert Meter später wurden wir – nach einer verwilderten alten Allee mit einem eisernen Tor davor – bei einem hübschen Haus mitten im Wald auf den in Kürze bevorstehenden Tannenbaum-Verkauf aufmerksam gemacht...

Bis zum VP 1 in Großensee bei etwa km 20 war es nun nicht mehr weit, und so erreichten wir Till nach einer bisherigen Laufzeit von 3.38.54 h. Erika hatte sich bereits umgezogen und war wieder guter Dinge. Jürgen und Ilona waren kurz vor unserem Eintreffen am VP aufgebrochen. Wir konnten sie noch sehen.

Nach ziemlich genau 5 Minuten hatten wir unsere Flaschen aufgefüllt, getrunken und etwas gegessen und waren wieder unterwegs. Die Strecke folgte nun dem Ostufer des Großensees und war hier wieder einmal außerordentlich schön. Leider zogen nur immer dunklere Wolken auf, und als wir den Nordstrand am Nordende des Sees erreicht hatten, ging auch ein kurzer Schauer nieder.

Glücklicherweise schützte uns der nun folgende Hochwald, und außerdem ebbte der Regen sehr rasch wieder ab.

Noch vor Lüjensee, an dessen westlichem Ortsrand wir dann entlang liefen, fürchteten wir, uns wieder verlaufen zu haben, doch waren wir korrekt auf dem bei www.wanderkompass.de eingezeichneten Weg, während meine 1:25.000-Karte hier einen falschen Verlauf aufzeigte, der aber natürlich nicht der Markierung entsprach.

Nordwestlich von Lütjensee stießen wir auf den Radwanderweg Glinde – Trittau, der hier auf einer schönen, alten Bahntrasse verläuft. Ihm folgten wir leider nur einige hundert Meter gen Westen und bogen dann am Waldrand gen Nordwesten ab.

Mehrfach über kleine Feldwege und zu Hoisdorf gehörende „Außenposten“ gelangten wir zur L90 (Walostrasse) und liefen weiter geradeaus in die Waldstraße. Den äußerst schmalen Pfad, der vor der Straße Schierenplack links abzweigte, fanden wir indessen erst im zweiten Anlauf.

Er führte uns ins Waldgebiet nördlich der Hoisdorfer Landstraße, in dem wir über eine Fußgängerbrücke mit „schönen“ hohen Treppen die Autobahn A1 überquerten.

Über den Eilbergweg gelangten wir zur U1-Station Großhansdorf, wo der nächste Schauer über uns niederging. Wenige Meter weiter begegneten wir erneut Jürgen und Ilona, die erst einmal bei Penny Proviant einkaufen wollten, während wir weiter liefen.

Als wir am Wöhrendamm bei der Feuerwehr stoppten und nach dem Abzweig unseres Weges fragten, waren Jürgen und Ilona schon wieder da und wenig später auch wieder vor uns.

Der Großhansdorfer Mühlenteich imponierte uns nur sehr bedingt mit seinem niedrigen Wasserstand. Die nachfolgenden Wohnstraßen sahen da schon eindrucksvoller aus. Peter meinte, diese Häuser würden nicht verkauft, sondern nur vererbt.

Wenig später hatten wir den Ostring, Ahrensburgs Umgehungsstraße, unterquert und folgten nun parallel zu ihm dem Auewanderweg, unterquerten auch die B75 und erreichten nach insgesamt gut 36 km VP2 auf dem Parkplatz neben dem Ahrensburger Schloss.

Unsere Uhren zeigten bei Ankunft hier 6.44.29 h, und dabei hatten wir nicht wirklich so sehr gebummelt. Es zeigte sich indessen, wie viel Zeit die immer wieder notwendige Suche nach Wegzeichen gekostet hatte.

Hellmut Siegert, der eigentlich hatte mitlaufen wollen, aber verletzungsbedingt hatte absagen müssen, war dankenswerterweise kurzfristig als Betreuer eingesprungen, da Manne Hopp, der eigentlich hierfür eingeplant war, als HSV-Edelfan ja den ersten Saisonsieg seines Vereins (4:0 gegen die weiter sieglose Eintracht Braunschweig) live im Stadion erleben musste. (Bei der Laufplanung war der Bundesligaspielplan noch nicht erschienen, daher dieser kurzfristig auszubügelnde Planungsfehler!)

Hellmut versorgte uns nicht nur mit Cola, Apfelschorle und (alkoholfreiem) Hefeweizen sowie fester Verpflegung, sondern auch mit den wichtigsten Neuigkeiten aus dem Läuferfeld vor uns:

So hatte sich Tammo, der in Großensee noch zusammen mit Sven und Jürgen Clausen im Führungstrio angekommen war, zurückfallen lassen und lief nun zusammen mit Cornelia Feurich, Xiaopeng Guo und Joachim Neuhaus in der „Verfolgergruppe“ bzw. im „Mittelfeld“ mit.

Auch Michael Turzynski, der den VP in Großensee verfehlt hatte, weil er den Weg am Westufer des Großensees (statt den am Ostufer) genommen hatte, war hier durch gekommen und lief irgendwo zwischen dem verbliebenen Führungsduo und dem Verfolgerquartett.

Jürgen Reinert und Ilona trafen wir noch im VP an. Sie liefen etwa nach der Hälfte unserer knapp 10 Minuten Pause wieder weiter. Danach sahen wir sie nicht mehr wieder...

Wir durchquerten nun die Siedlung Ahrensburg-Gartenholz, deren Eisenbahnhaltepunkt vor Jahren Schlagzeilen gemacht hatte, weil er als reiner Nahverkehrshaltepunkt dummerweise an einer Strecke liegt, die auch von internationalen Fernzügen (Paris – Kopenhagen) genutzt wird (die aber hier natürlich nicht halten, sondern nur durchrauschen). Daher musste plötzlich jedes Einzelteil bis zur letzten Schraube und Leuchtstoffröhre nach EU-Richtlinien zertifiziert sein, ehe dieser regionale Haltepunkt in Betrieb gehen durfte. Und damals hatten halt einige Lieferanten ihre Produkte nachträglich zertifizieren lassen müssen und waren so erstmals zu EU-Zertifikaten gekommen. Eine echte EU-Posse war das gewesen!

Wir folgten der Straße „Ewige Weide“ durch ein Industriegebiet hinaus bis zum Beimoorweg (K106), dem wir etwa einen Kilometer in Richtung Hammoor folgten, ehe der Stormarnweg dann im Staatsforst Trittau verschwand.

In selbigem stießen wir auf einen weiteren gleichnamigen Beimoorweg und jenseits des Waldes wieder auf den ersten Beimoorweg, den wir diesmal rund 800 Meter in Richtung Ahrensburg entlang liefen, ehe wir dem Schild Hundeschule in den Deensdörper Weg folgten Für eine derart kleine Landstraße herrschte hier ein ausgesprochen lebhafter Trecker- und vor allem PKW-Verkehr.

„Dank“ eines verpassten Abzweigs nach rechts (= gen Norden) machten wir noch einen kleinen Umweg bis in Sichtweite von Dedesdorf, konnten aber vor der Bahnlinie noch rechtzeitig wieder umschwenken und sehr rasch wieder auf den korrekten Weg zurückfinden.

Wenig später trafen wir an der L89 auf das Bargteheider Industriegebiet, bogen bei famila nach Westen ab und rund einen Kilometer später nach Unterquerung der Bahn nach Norden in die Bahnhofsstraße ein.

Hier erwartete uns auf dem P + R Parkplatz das Ziel mit Till! Geschafft! 9.16.30 h! Hatten wir jemals für nominelle 50 km so lange gebraucht? Ich kann mich nicht entsinnen...

im Ziel mit Till (im Auto am PC), Ann-Marie & Peter

Herzlichen Dank an Till und Hellmut für die wertvolle Hilfe an den VPs sowie Start und Ziel, Till auch für den Gepäcktransport. Und Dank auch an Ann-Marie und Peter, die mich auf ihrem Heimweg nach Hamfelde per Umweg wieder zurück zum Auto nach Reinbek brachten.

Von Reinbek fuhr ich zurück nach Hamburg, holte mir etwas thailändisches Essen, das ich zu Hause aß. Dann telefonierte ich mit Manne Hopp wegen der VP-Sachen für den folgenden Tag, holte diese dann erst einmal bei Hellmut ab, bearbeitete die ursprünglich mehr als 170 Fotos und stellte 135 davon ins Internet.

Um 1.20 Uhr war dann endlich Nachtruhe...

PS zum Gesamtergebnis:

Jürgen Clausen und Sven Peemöller erreichten bei ihrem nie gefährdeten Start-Ziel-Sieg den Bahnhof Bargteheide natürlich als Erste, und zwar in 6.04.24 h. Wenn man bedenkt, dass beide sonst unter normalen Bedingungen auf Marathon mehr als 2.20 Stunden schneller sind, dann bekommt man einen Eindruck vom Schwierigkeitsgrad dieser Strecke.

Michael Turzynski, der die Strecke alleine mit Hilfe seines GPS-Gerätes absolvierte, jedoch ohne den Track des Stormarnwegs aufgespielt zu haben, und der dementsprechend oft und lange andere parallele Routen zurückgelegt hatte, ja auch den ersten VP in Großensee verpasst hatte, erreichte das Ziel in 6.15.30 h. Hier gab es natürlich Diskussionen um die Wertbarkeit seines Ergebnisses. Am Ende beschlossen jedoch Till, Erika (auch als Statistikerin des 100MC) und ich, ihn so zu werten, da wir alle, auch Michael, ja aus dieser Veranstaltung noch lernen mussten und da Michael auf seinem GPS-Gerät nachweisen konnte, knapp unter 50 km gelaufen zu sein. Wir verzichteten auch darauf, seine Zeit mit einem Aufschlag zu versehen, da dies fürs Gesamtklassement ohne Folgen gewesen wäre.

Platz 4 sicherte sich dann das „Hauptfeld“ mit Cornelia Feurich, Joachim Neuhaus, Xiaopeng Guo und Tammo Seemann, das sich mittels GPS-Track orientiert hatte und nach 7.41.15 h bei Till im Ziel ankam.

Jürgen und Ilona, die nie im Ziel eintrafen, hatten übrigens einen Abstecher durchs Bargteheider Industriegebiet gemacht und den Bahnhof statt von Süden von Norden erreicht. Nach kurzer Diskussion beschlossen wir, Jürgen ebenso wie Michael, der ja auch vielfach vom Weg abgewichen war, in der Wertung zu belassen. Dort belegte er in 9.01.55 h Platz 8 vor Peter Wieneke und mir, die wir in 9.16.30 h die Veranstaltung abschlossen.

2.9.13 21:36

bisher 2 Kommentar(e)     TrackBack-URL


Brigitte (3.9.13 01:00)
Habe mit viel Vergnügen den spannenden Bericht gelesen und kam mir an manchen Stellen in meine Jugendzeit zurück versetzt, wenn wir uns als Kinder im Jadrevier meines Großvaters versteckt haben und mit unseren Eltern querfeldein spielerisch die Natur entdeckten. So fühle ich mich, wenn ich diese "abenteuerliche Reise" hier verfolge, spannend - unterhaltsam - lustig - aber auch die Anstrenung des Laufes liest man heraus. Nun lege ich dies "kleine spannende Buch" über eine "Waldgeschichte" ohne Feen und Elfen, aber mit tollen Läufern und Läuferinnen beiseite und sage herzlichen DANK


Brigitte (3.9.13 08:44)
..haben sich leider zu so später Stunde ein paar Rechtschreibefehler eingeschlichen

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